81. Todestag Bayume Mohamed Husen

Abdulrazak Gurnah hat in seinem Roman „Nachleben“ (2022) die Figur des Ilyas Mahjub bin Adam Mohamed (besser bekannt unter dem Namen Bayume Mohamed Husen) nachempfunden.


… Ilyas lächelte, widersprach und zog den Lehrer seinerseits auf. Sein fröhliches Lachen und seine bescheidene Art führten dazu, dass die Leute sich in seiner Gegenwart wohlfühlten und er schnell neue Freundschaften schloss. So war das immer. …

Abdulrazak Gurnah. Nachleben. Aus dem Englischen übersetzt von Eva Bonné. Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, München 2022

Am 24.11.1944 starb Mahjub bin Adam Mohamed (Bayume Mohamed Husen) im Konzentrationslager Sachsenhausen vor den Toren Berlins. Er war am 22. Februar 1904 in Daressalam, damals „Deutsch-Ostafrika“ (heute: Tansania) und damit in eine von Deutschen kolonialisierte, brutal beherrschte Welt geboren worden. Er wuchs mit der Kolonialmacht „Deutsches Reich“ auf und musste bereits als Kindersoldat im Ersten Weltkrieg diesem Deutschen Reich dienen. Danach arbeitete er in einer deutschen Textilfabrik (Strecker) und auf den Schiffen von Woermann. Was für ein Deutschland hatte sich der Heimat Mahjub bin Adam Mohamed bemächtigt? Kolonialistische, rassistische Krieger wie Hermann von Wissmann und Carl Peters hatten „deutscher Wirtschaft“, deutscher Politik und ihrem passiv aggressiven Publikum daheim, im Deutschen Kaiserreich, mit der „Taktik der Verbrannten Erde“ Ende der 1880er Jahre neues Land erbeutet und viele Menschen ermordet. Bismarck persönlich hatte anfangs sein Placet gegeben. Wer diesem deutschem Kolonialismus zum Opfer fiel, war – ob tot oder lebendig – immer eine Trophäe, die „Erfolge“ beglaubigen, für Investitionen werben, „deutschen Ruhm und deutsche Ehre“ mehren musste. Wie so oft waren die Deutschen auch in Deutsch-Ostafrika recht deutlich in ihrer Menschenverachtung, warum auch nicht – schließlich hatte Wissmann das Kriegsrecht verhängt, alles „rechtens“ also. Wer sich nicht bedingungslos den Deutschen unterwarf, war ein „Aufständischer“ und wurde ermordet. Der Todesarten waren viele, der Überlebensmöglichkeiten nur eine: Anpassung, völlige Dienstbarkeit. Das hatte bereits der Vater von Mahjub bin Adam Mohamed erlebt – er hatte in der Kaiserlichen Schutztruppe gedient. 


Mit Wissmann und Peters waren Raub und Mord an der Tagesordnung. Carl Peters war derart obsessiv sadistisch, dass er sich durchaus der einen oder anderen kritischen Bemerkung im Deutschen Reich stellen musste – der deutsche Faschismus „rehabilitierte“ ihn und kein Geringerer als Hans Albers lieh ihm Stimme und Gestalt für den Film „Carl Peters“, der im März 1941 ins Kino kam. Mahjub bin Adam Mohamed (Bayume Mohamed Husen) spielte die Rolle des Ramasan, einen Bediensteten von Carl Peters (Hans Albers). Bei den Dreharbeiten lernte er eine deutsche Frau kennen – und wurde wg. einer „Straftat“ denunziert, die der Unrechtsstaat noch nicht für „außerehelichen Geschlechtsverkehr“ kodifiziert hatte: „Rassenschande“. Daher erwies sich zwar die Gestapo als „unzuständig“ – aber Lücken im eigenen Unrechtssystem wusste der deutsche Faschismus zu nutzen: Mahjub wurde ins KZ Sachsenhausen deportiert und verstarb dort nach jahrelanger Qual am 24.11.1944  an den Folgen dieser Internierung. Die neokolonialistische Bewegung der 1920er Jahre, angesichts des „Verlustes“ der „Schutzgebiete“ nach Niederlage im Ersten Weltkrieg, hatte ihren 1918 verstorbenen Carl Peters längst in die Ruhmeshallen der Nazis überführt. Nun hatte Deutschland längst begonnen, die ganze Welt mit Krieg, Vernichtung, Völkermord und Hass-Ideologien zu überziehen – da machte sich ein prominent besetzter Film über „Carl Peters“ besonders gut.