20. November 1695: Todestag von Zumbi, Tag des afrobrasilianischen Bewusstseins in Brasilien 20. November 2025: Kanzler Merz ist seit ein paar Tagen aus Bélem/Brasilien zurückgekehrt
Bundeskanzler Friedrich Merz und sein Kulturstaatsminister Weimer passen hervorragend zueinander. Der eine streicht den Kolonialismus aus dem Gedenkstättenkonzept des Bundes, der andere nutzt auch den Klimagipfel in Bélem/Brasilien, am Amazonas, um seine arrogante, zutiefst kolonialistische Weltsicht zur Geltung zu bringen. Welche Erkenntnis brachte Klima-Totalverweigerer Merz vom Amazonas mit?
„Meine Damen und Herren, wir leben in einem der schönsten Länder der Welt. Ich habe einige Journalisten, die mit mir in Brasilien waren, letzte Woche gefragt: Wer von euch würde denn gerne hierbleiben? Da hat keiner die Hand gehoben. Die waren alle froh, dass wir vor allem Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.“
Brasilien war nicht nur jahrhundertelang Teil des „transatlantischen Dreiecks“, in dem Menschen von Europäern auf dem afrikanischen Kontinent versklavt, auf die amerikanischen Kontinente verschleppt und zur Produktion von Gütern gezwungen wurden, die sich in Europa zu Höchstpreisen verkaufen ließen: zum Wohle weniger superreicher Leute. Volkswagen beispielsweise war es auch im 20. Jahrhundert ein Anliegen, in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der brasilianischen Militärdiktatur, Sklavenhaltermoral walten zu lassen und Menschen schlimmstmöglich auszubeuten.
Vor genau dieser arroganten Sklavenhaltermoral haben sich versklavte Menschen in Brasilien jahrhundertelang in Sicherheit gebracht. Eine ihrer Leitfiguren war Zumbi, der am 20. November 1695 gestorben ist. Sein Todestag wird heute als „Tag des Schwarzen Bewusstseins“ oder „Tag des afrobrasilianischen Bewusstseins“ begangen und erinnert an die Refugien von Solidarität, die Menschen, ihrer Versklavung entkommend, im Zeichen des sog. „Quilombismo“ seit ca. 1600 aufgebaut haben. Das Haus der Kulturen der Welt, wenige Meter vom Kanzleramt entfernt, widmete dem Quilombismo 2023 eine große, wunderbare Ausstellung. Viele Künstler:innen, Aktivist:innen, Denker:innen von allen Kontinenten waren dort vertreten und brachten dort Kulturen, Lebens- und Produktionsweisen ins Spiel, von denen der offizielle „Westen“ nichts wissen will, da sie die Menschen und den Planeten nicht ausbeuten. Bereits in der Eingangshalle war das HKW 2023 in anderem Licht zu erleben. Die Säulen hatte Amina Agueznay durch ihre Einkleidung (s. Abbildung). auf freundlichste Art der HKW-Architektur entfremdet und „entwendet“: Zwischen ihnen entspann sich eine Landschaft solidarischen Plauderns und froher Debatten.